seifenblase

Hinsichtlich der Niedrigzinspolitik der EZB rechnen einige damit, dass in Deutschland eine Immobilienblase entstehen könnte. Auch der Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret äußerte sich kürzlich in einem Interview auf Spiegel Online mit der Überschrift „Bundesbank warn vor Immobilienblase“ bedenklich. Gerade in Deutschland unterliegen Kreditnehmer hohen Auflagen. So ist es hierzulande eher schwierig eine Immobilie finanziert zu bekommen, wenn man nicht über ausreichende Sicherheiten und Eigenkapital verfügt. Erst jüngst wurden die EU-Kreditvergaberichtlinien weiter verschärft.

Eine Zunahme des Kreditvolumens bei Wohnbaukrediten von 3,5 % (lt. Aussage von Herrn Dombret) und die Null Zins Politik sind also noch kein Hinweis auf eine bevorstehende Blase.

Jürgen Michael Schick (IVD Präsident) dazu im Handelsblatt:

„Bei der Annahme einer Immobilienblase durch Zinssenkungen wirkt die Kausalität der Wirklichkeit hinterher. Ist es nicht besser, drei bis vier Prozent Rendite in einer risikoarmen Anlage wie einer vermieteten Immobilie zu erzielen, als null Prozent oder demnächst Strafzinsen auf dem Sparkonto? Was sind die Alternativen? Negativzinsen bei Bundesanleihen? Oder risikoreiche Unternehmensanleihen? Früher gab es bei der Bank einen risikolosen Zins. Heute gibt es zinsloses Risiko. Da investieren viele lieber in die eigenen vier Wände oder eine Immobilie zur Vermietung.“

Bundesweit aber speziell in München sind die steigenden Immobilienpreise eine Folge der hohen Nachfrage und des geringen Angebotes. Der Bedarf an Wohnungen ist in Deutschland sehr hoch und ein Leerstand von Wohnimmobilien kaum festzustellen. Es fehlen derzeit in Deutschland jährlich ca. 500.000 Wohnungen. Diese Wohnungen werden gebraucht und hinsichtlich der Binnenwanderungen und Flüchtlingszuströme bei gleichzeitig zu geringer Neubautätigkeit tendenziell weiter steigen.

Das ist daher eine komplett andere Ausgangslage als etwa in Spanien wo 2008 etliche Wohnanlagen entstanden und leer blieben. Die Bautätigkeiten waren spekulativ und entsprachen nicht dem Bedarf, was eine Immobilienblase auslöste. Die Blase in Spanien ebenso wie in den USA war auch davon gekennzeichnet, dass die Eigenkapitalquote gegen Null ging, Sicherheiten der Kreditnehmer nicht vorhanden waren und Kredite dennoch vergeben wurden. Diese ist auch im benachbarten Italien zu beobachten.

Die Erschwinglichkeit von Wohnimmobilien ist heute trotz hoher Preise auf Grund der verfügbaren Haushaltseinkommen, der Reallohnsteigerungen und der Niedrigzinspolitik besser denn je. Auf Grund wirtschaftlicher Entwicklungen und unserem Sicherheitsdenken in Deutschland, setzten Immobilienkäufer heute mehr Eigenkapital ein als früher. Die Wahrscheinlichkeit einer Immobilienblase scheint auf Grund dieser Aspekte derzeit nicht gegeben. (Mai 2016)